Bericht - Lyrikpreis München

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Chronik > 2014 > 2. Lesung 19.09.2014




Lyrikpreis München 2014 -
Bericht zur 2. Lesung am 19. September 2014



Bei regenverhangenem, trübem Himmel fanden sich die Besucher allmählich ein, so dass das Münchner Literaturbüro pünktlich zu Beginn voll war. Kristian Kühn, der zuvor mit gewohnter Unruhe zwischen Büro und Molly Malone's pendelte, holte die Nachzügler von der Irish Bar ab und eröffnete den zweiten Abend des Münchner Lyrikpreises. Da die Lesung mit sieben Dichtern stark besetzt war, mussten die Autoren einige Gedichte streichen. Kristian Kühn stellte die drei Juroren vor, welche selbst Dichter sind (in alphabetischer Reihenfolge):

Hendrik Jackson, Lyriker bei kookbooks und Essayist, Herausgeber des Internetportals "Lyrikkritik", Birgit Kreipe, ebenso aus Berlin, Lyrikerin beim Verlagshaus J. Frank, Gewinnerin des Lyrikpreises München 2013, Àxel Sanjosé (der uns die Bedeutung eines katalanischen Ausdrucks im Gedicht nicht verraten wollte), Lyriker, Übersetzer und Lehrbeauftragter an der LMU München.

v.l.n.r. Birgit Kreipe, Àxel Sanjosé, Hendrik Jackson (mit Sebastian Unger)







Die Moderatorin:
Christel Steigenberger

Den Abend eröffnete Adrian Kasnitz, der in Köln als Schriftsteller und Herausgeber der parasitenpresse lebt. Seine Texte sind durchwebt von einer verhaltenen  Nostalgie und Heimatliebe. Der Dichter registriert empfindsam die kleinen Dinge des provinziellen Alltags, die Langsamkeit und Enge, in der alles seinen Platz hat und berechenbar bleibt wie der Lauf der Jahreszeiten. Im Zentrum dieser kleinen Welt weiß man sich zugleich an der Peripherie der Großen:

Wir lesen die Süddeutsche Zeitung […] / Das was wir noch immer Süden nennen / und was hinter dem Bahnhof beginnt. Südniedersachsen. Die unaufgeregte Stimme der Gedichte spricht in der kollektiven Ichform des "Wir"; es ist, als würde sie diese laut aufsagen, um sich ihrer Welt zu versichern und ihr mit Sprache Form und Bestand zu geben.

Als erster der Juroren ergriff Àxel Sanjosé das Wort und sah sich zwiegespalten. Eine feine Ironie, Sehnsucht, Goethes Zitronen erkannte er in einigen Gedichten. Er würdigte die semantische Enge und den kolloquialen Ton. Das ist engmaschig, ist Dichtung. Doch störte ihn die Konventionalität, vor allem in dem Langgedicht "Gegend", in welchem er das Bild vom Fuchs positiv hervorhob: Diese sanfte unberührte Landschaft mit / Eichkatze und Fuchs, der aus dem Bild / schleicht, um niemanden zu stören.

"Der Süden" gefiel Birgit Kreipe am besten, daran die sinnlichen, verbalen Komplexe. Sie fand den Text vorgelesen anders, als sie ihn selbst gelesen hatte: Erst beim Zuhören greifen die Bilder ineinander; einprägsam, eine mehrdimensionale Welt. Die überall durchscheinende Konventionalität fand sie jedoch ebenfalls zwiespältig.

Hendrik Jackson stellte erstmal grundsätzlich und für alle Poeten fest, dass die Vorrunde ungewöhnlich gut besetzt sei, ein Kommentar, dem sich die übrigen Juroren anschlossen. Die eingereichten Gedichte wiesen kaum handwerkliche Fehler auf. Zudem erklärte er, die Dichter persönlich zu kennen, was die Entscheidung nicht gerade erleichtert. Der Vorteil, meinte er humorvoll, ist, man entscheidet sich so oder so richtig. Dafür sei es für die Jury umso schwerer, eine Auswahl zu treffen. Zu Adrian Kasnitz‘ Vortrag nahm er mit den Worten "alles Banalitäten" Stellung. Unmittelbar, und etwas widersprüchlich, erklärte er es für eine schwere Aufgabe, ein spontanes Urteil zu fällen, sodass es den Zuhörern überlassen blieb zu entscheiden, ob er damit Kasnitz‘ Gedichte oder deren Alltäglichkeit gemeint hatte.

Im Publikum bemerkte jemand, wie das durchgängig präsente "Wir" die Zuhörer mit einbezieht.

Passend als Übergang zu seinem Vorgänger, fuhr Hellmuth Opitz mit Landschafts- und Stadtgedichten fort, die aber reich an Metaphern sind. Das Publikum erkannte die filmische Struktur der Texte und einen Blues: DER HERBST HAT EIN NEUES ALBUM draußen / legt er‘s gleich auf und du siehst zu wie // der Tonarm eines Schiffskrans hinüber / schwenkt zur dunkelgrünen Scheibe // der Ostsee, die Nadel setzt auf / in den knisternden Rillen des Morgens.  

Zuweilen wirkten die Metaphern gesucht, wie das Fenster erzählt vom Bussard am Feldrand, unmittelbar aber wurden sie eindrucksvoll fortgesetzt: der sich übt in der Kunst des Verschwindens vor der Tapete des Tages. Manche der Bilder im Gedicht "Notaufnahme", das ein Tankwagenunglück beschreibt, sind beinahe befremdend: die aufgeschlagenen Zelte menschlicher Haut.

Hendrik Jackson fand die Gedichte sympathisch, die Situation hat man gleich vor Augen, nur die einlullenden Genitivmetaphern hielt er für ein einfaches Verfahren für Erfolge. Für jeden Dichter gefährlich: der süffisante Ton und die vorhersagbare Pointe.

Birgit Kreipe bezeichnete die Hellmuth Opitz‘ Gedichte als virtuos, nichts wird dem Zufall überlassen - nichts wird angefangen und nicht ausgearbeitet. Doch bieten sie wenig Angriffsfläche, sind zu perfekt und vorherbestimmt. Das Grauen bei dem Tanklastergedicht kommt verzögert an: Es erinnere sie, als Traumatherapeutin, an die Notwendigkeit der Einschaltung einer Kontrolle zwischen den Patienten und ihrer Wiederbegegnung mit dem Erlebten.

Gerade das Fragmentieren des Grauens fand Àxel Sanjosé reizvoll. Wie die übrigen Juroren störten ihn die Genitivmetaphern, er räumte aber auch gelungene Beispiele ein, etwa das Bild der Birken: sagt man hier, die Äcker allesamt wie Streuselkuchen / übermehlt und spiegelglatt die nächste Abfahrt tastet sich / an den Blindenstöcken fahler Birken zum Autohof. // Auf dem Parkplatz Lastkraftwagen, dösende Pferde.
Überhaupt sei bei Opitz eine Tendenz zur Allegorisierung bemerkbar, sodass die dargestellten Landschaften immer auch mit einer übertragenen Bedeutung ausgestattet seien (der Kran ist zugleich der Arm des Plattenspielers).

Die Blindenstöcke fahler Birken griff Hendrik Jackson nochmals auf: Eine Genitivmetapher denke nicht; wenn ein Gedicht nicht sofort denkt, stürzt es ab - hier beim Parkplatz.

Die Germanistin, Philosophin und Theaterwissenschaftlerin Eva Christina Zeller, aus Tübingen, las Gedichte vor, die ohne Sinnbrüche oder plötzliche Perspektivwechsel auskommen. ich bin solidarisch, der Titel des ersten Zyklus, wiederholte sich und blieb in den weiteren Texten ein zentraler Begriff. Die Reaktion des Publikums und der Juroren war verhalten. Die Aufzählung der Dinge, mit denen sich die Dichterin solidarisch erklärte, wirkte auf sie betulich, beinahe selbstverständlich. Einige Stellen sind von schlichter Schönheit:

ein zurück / wie wäre es wenn adam und eva // wenn wir zurückkehrten ins paradies / die wacklige erkenntnis nehmen wir mit und die nacktheit // […] // das paradies hat einen ausgang / also müsste es auch einen eingang haben.

Schwer, etwas dazu zu sagen, meinte Birgit Kreipe. Die Gedichte seien von einer schwebenden, angenehmen Stimmung. Die Anwesenden erfuhren dann von der Dichterin, dass es sich um eine Auftragsarbeit handelt.

Solidaritätserklärung sei in Ordnung, sagte Áxel Sanjosé. Die Gedichte schwächelten aber gegen das Ende, am Anfang bemerke er einige starke Stellen. Möglicherweise meinte er die Strophe: die zeit kommt in kreisen wasserkreisen / überfällt dich mit heißen händen / die sich am baum abschlugen / hinter dem du dich versteckst Weiter bemängelte Áxel Sanjosé die Bildungsreferenzen, jene Solidaritätserklärung mit max brod, der kafkas texte nicht verbrannte.

Hendrik Jackson sah in den Gedichten Metaphern, die man nur abhaken kann. Dann schlug er der Dichterin vor - obwohl es ihr vermutlich nicht liegen würde – er hatte recht mit dieser Vermutung: so wie sie die Texte vortrug, diese an einem Slam-Abend zu lesen.

Zur Beunruhigung des Publikums brachen draußen die Wolken, und Regen setzte ein.


Als nächstes betrat Kathrin Bach aus Berlin die Bühne. Nur wenige ihrer sinnlich bildhaften Gedichte kommen ohne "Hände" aus. Die Texte sind körpernah, von überraschenden Perspektiven, zufällige Begegnungen von Gliedmaßen und verfremdeten Landschaften, stellenweise ironisch: ich deute auf die Hügel der Stadt / die wenn du sie genauer betrachtest / zu meinen Händen gehören / Fingergelenke meiner Fäuste / oder auch die ausgestreckten Kuppen / wie Schaschlikspieße in Dächer gerammt.

Einen Kontrast zu Hellmuth Opitz sah Àxel Sanjosé in den zwei Ebenen dieser Landschaften, die beunruhigend sind und optisch nicht nachvollziehbar. Ein Spiel der Gegen-Anthropomorphisierung – der Mensch bohre sich in die Landschaft ein: dann stehe ich am Marktplatz / und führe vor wie sich meine Hände / hineindrehen in die Dinge wie in einen Korken. Die Bilder verwirren mich, so der Juror, auf überraschende Weise, ohne dass ich auf die Lösung komme.

Viel "Verqueres“ entdeckte Birgit Kreipe; eine beabsichtigte, gespenstische Atmosphäre durch Unsinnlichkeit. Am besten gefiel ihr das Gedicht "Grün" mit den Millionen grüner Kaninchen. Aber ich bräuchte eine Umgebung der Stabilität, sagte Birgit Kreipe, kann mich nicht orientieren, es entsteht kein Raum, die Bilder werden nicht aufgebaut, nur einfach behauptet.

Hendrik Jackson fand alle Texte von Kathrin Bach gut, ihm fehle die Orientierung keinesfalls: Ich bestätige alles, was ihr sagt, aber mit umgekehrtem Vorzeichen, mag auch sein, dass da etwas Unfertiges ist. Die Orientierung, das Ineinanderwachsen - das alles erwächst aus der Sprache selbst.

Das Publikum entdeckte in den Gedichten etwas Alchemistisches, aus einer Quelle in der Sprache. Fremd, aber nicht zu fremd. Eine Zuhörerin in der ersten Reihe erinnerte das schräge Bild einer Frau auf der Bürste an Hieronymus Bosch: Ich suche nach etwas, das ich sehen kann / ein Würfel Nebel, darin Glieder wie Dreck / die Nackte hockt auf einer Bürste / reißt Arme wie Haare heraus.

Zur Erleichterung der Raucher unter den Anwesenden hatte sich das Gewitter bis zur Pause fast verzogen. Das Publikum bildete Gruppen auf der Straße vor dem Literaturbüro, man diskutierte die Gedichte und erkundigte sich gegenseitig nach den Favoriten. Ungefähr zwanzig Minuten später ging es weiter.

Die Gedichte des Berliners Sebastian Unger verhindern einen Sinnaufbau bereits im Ansatz. Durch Drehungen und Unterbrechungen können die Bilder nicht zusammenkommen, so dass sich trotz syntaktisch richtiger Sätze kein einfacher, kohärenter Sinn einstellt. Die Texte können nicht ausgeschöpft und abgelegt werden. Sie halten einen Erregungszustand aufrecht zwischen Anziehung und dem Sich-Entziehen. Am Ende bleibt als Substrat die Sprache.

Das Problem für den Dichter besteht darin, dass er mehr weiß als der Leser über die Entstehung und Umgebung des Textes und deswegen Gefahr läuft, die Wirkung des Gedichts auf den Rezipienten falsch einzuschätzen.

Etwas Radikales geschieht im Gedicht "Satzbau, Wohnform“, meinte als erster Àxel Sanjosé, und zwar über das Orale auf der signifikanten Ebene. Das Bauen wird mit dem Sprechen und dem Essen gleichgesetzt. Ein interessanter und mit poetologischer Botschaft versehener Text: Ein indisches Gewürzarchiv zwischen den Zähnen / der Schriftzug des Holzwurms ohne Abstand / es sich selbst noch einmal vorzulesen / weitergeschrieben, kartiert die Speichekammern / mit einem lebenslangen Satz / auf dem Beschriftungsetikett vollzieht sich ohne Lücken / das Essensprechen als das eßbare Gebäude selbst.

Birgit Kreipe beurteilte die Gedichte als seltsame, luftige, flüchtige Geschöpfe. Wie in "Helix, hyperbolische Flucht" krieche etwas in die Gedichte hinein und verändere sie. Am besten fand sie "Jemand als ein Photo am Mittag", das Unger zwar eingereicht, aber nicht vorgelesen hatte und nun nachtrug. Kreipe erinnert es an den Maler Leo Rauch, wie die Dinge aus dem Kontext herausgelöst und verfremdet wieder hineingestellt werden.

Hendrik Jackson bezog sich ebenfalls auf diesen Text: Das Disparate in dem Gedicht könne alles oder nichts bedeuten. Das Wasser – dann Flugzeug?, ein rätselhafte Sprung. - Schon die Überschrift ist problematisch, sagte Jackson, es funktioniert für mich, aber die Engführung kann ich nicht entschlüsseln; es sind radikale, unlösbare Probleme.

Eine Lösung, gestand Birgit Kreipe, habe auch sie nicht: Das Apfelgedicht … Schneewittchen, sie hätten den Schlüssel nicht.

Der Dichter und Münchner Literaturarchivar Frank Schmitter brachte das Publikum schon mit seinem zweiten Gedicht zum Lachen: mütter sind wesen die / aus einem einzigen satz / eine guillotine machen können / sätze wie du warst schon immer so / oder ich habe niemals geglaubt dass / du das schaffen könntest. Die Gedankenführung in Frank Schmitters Gedichten ist klar, und in den griffigen Metaphern klingt sogar etwas Bayerisches an:

es ist ihr sonntagsnachmittagsteeundgebäckspiel / während johann sebastian bach seine choräle in die erde rammt / viel unterhaltsamer als mühle scrabble oder maumau / du stürzt jäh in eine gletscherspalte bis dich nichts mehr hält / als die nabelschnur einer unvollendeten geburt. Gedichte, die eine Schilderung von Ereignissen sind, ohne Brüche. Ein wenig eindimensional, ohne weitere Sinnebene, aber meistens liebenswürdig und treffend: eifrige taschendiebe meine lippen legten / münzen auf deinen hals das unermüdliche / kleingeld der liebe.

Birgit Kreipe fand die Alltagssprache der poetischen Bilder schön, ihre aufmerksame Zurückhaltung, die Unaufgeregtheit und Sensibilität. Ein Stau, der die Logik der Blechkarawane auf der Autobahn unterbricht, oder der Hase im Winter (nicht vorgelesen); vor allem die kleinen Gedichte, aus denen Beobachtungen sprechen.

Àxel Sanjosé gefiel das Staugedicht auch besonders gut - eine Utopie tue sich auf, Freiheit werde spürbar. Und beinahe surrealistisch an anderer Stelle: an der kreuzung ein kontrabass / der seinen besitzer über die straße trägt. Ein bisschen enttäuscht war er von "Bosporus, die fähre hält in", bei dem die gebrauchte Sprache einen Konventionalitätsverdacht aufkommen lässt.

Hendrik Jackson schloss sich beiden Vorrednern an. Es sei eine konventionelle Lyrik, in der nichts passiert, bis auf die letzten Zeilen wie zum Beispiel sein leise sirrender dynamo näht den spieltag zu oder der Sturz in die Gletscherspalte. Nur wegen der letzten Zeile sei das Gedicht geschrieben. Das könne man mal machen, aber dafür sei die Zeile nicht stark genug.

Frank Schmitter verabschiedete sich auf sympathische Weise und lächelnd von seinem Publikum mit den Worten, "lyrisch und intellektuell zerschlagen zu sein".

Als letzter Teilnehmer las der in Solothurn lebende Germanist Walter Fabian Schmid. Die vielstimmige laute Typographie seiner Gedichte setzte er in einen professionellen Vortrag um. Der Sinn der Collage aus Phrasen, die Kollision disparater Wörter und Wortgruppen, scheint in der Bloßstellung einer medialen Sinnlosigkeit zu liegen: gecrashter overload pompöser kom/perplexität die maskierten schatten/taten von transparenten akt/euren "WAHRHEITEN GLAUBT NIEMAND" - Walter Fabian Schmids Texte hören sich an wie ein Chor aus Vorlesern diverser Zeitungen unter gleichzeitig laufendem Radio und Fernsehen.

Fotos: KK

Was bleibt, wenn sich die Staubwolken hinter der heterophonen Kolonne aus Schlagwörtern, Wortspielen und Phrasen verzieht, ist ein geschärftes Bewusstsein für eine Gesellschaft als Pseudo-Medienlandschaft. Ob es sich bei einigen Versen darüber hinaus um Relikte tieferen Sinns handelt, bleibt dem Leser überlassen: nur thanatos verzeiht fleischliche gelüste.

Eine hässliche Schrift, konnte Àxel Sanjosé sich nicht zurückhalten, als er vier parallele Erzählstrukturen im Layout der Texte aufzeigte, Grotesk-, Antiqua, Comic- und Deko-Schrift jeweils für Hauptstimme, Kommentar, Alltagszitate und Parolen. Eine Ironisierung medialer Begriffe, die nur auf dem Effekt beruhen. Ich finde es lustig, fuhr Àxel Sanjosé fort, aber ich weiß nicht, wie lange ich das lustig finde.

Überraschend für die Zuhörer verlangte Henrik Jackson, noch eine Schraubendrehung höher zu gehen: Noch zu sehr die Tradition - das sind noch die 80-er Jahre, die ganze Richtung, Thomas Kling und so.

Von den Gedichten herausgefordert fühlte sich auch Birgit Kreipe und bezeichnete sie als politische Lyrik, eine crossmediale Travestie. Ein zusammengeträufeltes Stimmengewirr aus Humangenetik, Religion, Militarismus, Finanzkapitalismus; zusammengeführt mit der beinahe
religiösen Gläubigkeit eines Aktienanlegervolks.

Am Ende der Lesungen begann für die Jury die undankbare Aufgabe, die Abendsieger zu bestimmen. Das Publikum wartete auf dem Bürgersteig vor dem Literaturbüro oder am Tresen, die Juroren verblieben auf der Bühne und bildeten einen verschworenen Tischkreis. Die sieben Dichter draußen sprachen mit geduldigen Gesichtern von etwas anderem. Nach gefühlten dreißig Minuten wurden dann die Finalisten der zweiten Vorrunde des Lyrikpreises München 2014 bekanntgegeben (wiederum in alphabetischer Reihenfolge): Kathrin Bach, Walter Fabian Schmid und Sebastian Unger.

Ivor Joseph Dvorecky


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