Lesung 2 - Lyrikpreis München

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Lesung 2

Chronik > 2010

(25.06.2010)

Das Münchner Literaturbüro in der Milchstraße war brechend voll, als am vergangenen Freitag der zweite Abend der Vorausscheidung für den „Lyrikpreis München“ veranstaltet wurde. Die drei geplanten Abende haben teilweise den Sinn, die Qualität der allgemeinen Freitagslesungen zu verbessern; dies ist mit den hochkarätigen Autoren des zweiten Abends in vollem Umfang gelungen.
Dabei boten die Gedichte der sieben Nominierten eine Vielfalt an lyrischen Stilrichtungen, was die Entscheidungsfindung der Jury bei so viel Potenzial erschwerte.

Als erster las Knut Schaflinger aus Augsburg seine von zarten Kontrasten durchzogenen Prosagedichte. Die Jurorin Andrea Heuser rühmte zu Recht die Naturbeschreibungen. Der Rückgriff auf die Strophenform des Aloysius Bertrand, der vor Baudelaire das Poème en prose aus der Lyrik entwickelt hatte, schien jedoch nicht zur Behebung der Schwierigkeiten beizutragen, die die gegenwärtige, reimlose Lyrik mit dem Zeilenbruch hat.

 
 
 

Derweil Knut Schaflinger vorträgt, lesen im Hintergrund die Juroren Roman Ritter (links) und Tom Schulz mit.

Als danach die Schweizerin Lisa Elsässer ihre naturnahen Gedichte vorlas, wurde die intensive Erlebniskraft ihrer Bilder gelobt, und auch der Juror Roman Ritter bestätigte, selbst die zerstörte Natur habe bei ihr eine Beziehung zum Seelenleben.

 
 

Lisa Elsässer stellt sich der Meinung des Publikums.

Gerald Fiebigs politische Gedichte wurden aufgrund ihrer hymnischen Musikalität hervorgehoben, auch wenn seine Langgedichte gelegentlich – wie ein Juror es formulierte –
zur „rhetorischen Orgie“ gerieten.


 
 

Gerald Fiebig, der auch Audiokünstler ist, vertieft in seinem Vortrag.

Vor der Pause las Hartwig Mauritz, der schon im Jahr 2000 nach Hendrik Rost den damals vom Münchner Literaturbüro ausgeschriebenen Haidhauser Werkstattpreis in der Sparte Lyrik gewonnen hatte: mit Naturgedichten, was damals nicht unbedingt selbstverständlich war. Dass der aus den Niederlanden angereiste Dichter die Stille mit vielen, vor allem mit vielen verschiedenen Worten beschreibe, beeindruckte den Großteil der Jury.

  Hartwig Mauritz überraschte mit
leisen, eindringlichen Tönen.

 

Nach der Pause las die Zürcherin Svenja Herrmann. Auch mit ihrem Gedicht „bar tosja“ bewies sie ihre intensive, eigenständige Sprachkraft: „eine heruntergekommene schenke klammert am hang / rinnsale fließen aus dem gebrochenen regenrohr / der dunst der erde steigt auf / lässt das licht aus den fenstern verblassen“.

 

Svenja Herrmann trug ihre Gedichte besonders konzentriert vor.




Die achtundzwanzigjährige Janin Wölke studiert an der Sorbonne in Paris vergleichende Literaturwissenschaft und schreibt eine Arbeit über „Die neuere deutsche Naturlyrik“. Ihre eigene avantgardistische Lyrik hat allerdings mit diesem Thema wenig zu tun. Janin Wölke jongliert zwischen mehreren Sprachen, was von dem Juror Roman Ritter als Folge der Globalisierung eingeschätzt wurde.

Janin Wölke im Wechselfluss zwischen Englisch, Französisch und Deutsch.

Als letzter Dichter trug Carl Christian Elze aus Leipzig seine Gedichte vor. „meine haare zittern. Ich klirre. Meine nerven sind schrott. / Ich habe die flügel voller treibstoff & rieche brennende kabel. / Ich habe alle kacheln verloren, mein dunkelblaues hitzeschild. / Wenn ich dein haus überfliege, drück ich mich fest an die scheiben“(...) / Das Ich sei omnipräsent, ja omnipotent, lobten die Juroren. Er habe treffsicher das Ich in der modernen Welt beschrieben.

Carl Christian Elzes intensiver Vortrag verzauberte Publikum und Jury.

 

Der Jury gehörten wieder der Poetologiereferent Tom Schulz sowie der Torso-Mitherausgeber Ulrich Schäfer-Newiger an, die bereits bei der ersten Veranstaltung die Texte beurteilt hatten. Zudem waren die Literaturwissenschaftlerin Doktor Andrea Heuser und der Verlagslektor Roman Ritter dabei, allesamt Lyriker.

Die Diskussion war schon innerhalb der Jury lebhaft und regte das Publikum, unter dem sich weitere Kenner und Fachleute für Lyrik zu Wort meldeten, zu interessanten Diskussionen an.

 
 

Auf dem Podium die Dichter, die Jury und der Moderator Stein Vaaler.
                          Fotos: Hellmuth Lang

Schließlich wurden Carl Christian Elze und Lisa Elsässer von der Jury für den Finalabend ermittelt.

Hans-Karl Fischer

 
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